Donnerstag, 28. Februar 2008

Ein bischen was zur Politik hier herrueben

Aus aktuellem Anlass mal ein paar Infos zu diesem Land hier. Aktuell heisst, dass gestern in Stadtzentrum die "Mineros", die Minenarbeiter, ihre woechendliche Demonstration durchgefuehrt haben. Man merkt es meist erst, wenn man schon mitten drinsteckt, ausser man lernt Zeichen wie eine leergefegte Hauptstrasse richtig zu deuten.
Das haengt zum einen mit der fehlenden Information der Bevoelkerung insgesamt zusammen. Im Fernsehen wird nicht vorgewarnt sondern es werden im nachhinein sensationsluesterne Bilder gezeigt. Die Berichterstattung ist dabei auf ihre Weise objektiv: meist werden Polizisten als gewalttaetig und Demonstranten als drohendes Chaos dargestellt.
Zum anderen wird nicht viel ueber politische Themen gesprochen, man scheint sich aus unterschiedlichen Gruenden zu schaemen.
  • Erstens ist man Teil eines der aermsten Laender, ein Dozent beschreibt Bolivien als Maedchen deren Makeup die Bodenschaetze (Gas,Zinn,Kupfer) sind, sobald damit nicht mehr dick aufgetragen wird, wollen Industrienationen nichts mehr von dem Land wissen.
  • Zweitens war man wegen hoher Korruption lange Zeit selbst Schuld daran,
  • Drittens scheinen alle anderen es besser zu machen
  • und nicht zuletzt ist Evo Morales ein Indianerpraesident, und die Leute mit denen ich zu tun habe haben ihn nicht gewaehlt.
Der Versuch der Regierung Morales, den 60 Prozent Indianern im Land bessere Perspektiven zu schaffen broeckelt an allen Ecken und Enden.
  • Die reiche, spanisch-hellhaeutige Oberschicht ist sowieso gegen Einschnitte ihrer Privilegien und setzt ihre Macht zunehmend effizienter ein.
  • Die Mehrheit der Indigenas, z.B. die Mineros haben sich fast ein Jahr lang geduldet und auf Ergebnisse gewartet. Demokratie braucht aber nun mal ihre Zeit, zumal sie von den Konservativen (z.B. im Zusammenhang mit einer neuen Verfassung) boykottiert wird.
  • Die Regierung ist und bleibt voellig gewaltfrei; bei frueheren Prasidenten gab es in einzelnen Strassenschlachten (2001) bis zu 60 Tote.

Ergebnis ist, dass die vier reichen Provinzen (von 9) ihre Unabhaengigkeit erklaert haben, allerdings mithilfe von Unterschriftenlisten und Bestechungsgeldern. Die Indigenas in erprobter Art und Weise streiken, und auf dem Land die Arnarchie ausbricht.

Schuld an letzterem ist ein Gesetzesentwurf zur eingeschraenkten Selbstjustiz in den Regionen und 36 enzelnen Staemmen. Tatsache: Im Laufe der Woche wurden im Departement Cochabamba auf dieser Basis 3 Polizisten hingerichtet.

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