Montag, 25. Februar 2008

Wochenende in La Paz

Ein lustiges Wochende liegt hinter mir. Samstag war Erstsemester-initiation, und da ich hier ja auch fast sowas bin, war ich auch eingeladen.
Naja, nach Kurz-Begruessung durch die hiesige Studentenleitung, ging es dann mit nem Micro (einem 3/4-Bus) in ein grosses Privathaus, von einem der reicheren Studenten hier und naja, dort gings dann ganz schoen ab.

Hatte das Gefuehl, die nehmen die Ammy-Teeniefilme hier n bischen zu ernst! Konnte mich jedenfalls gerade noch dem Riesentrichter mit Schlauch erwehren. Auch im weiteren Verlauf gings gut zur Sache: da der Rum hier das billigste Getraenk ist (und dabei noch nicht mal schlecht) gab es die Getraenkeauswahl: 10x5L-Kanister Rum pur, mit Cola oder nur Cola. Durchaus bewundernswert mit welchem Gottvertrauen auf ihre Leber so mancher einfach mal aus den Kanistern getrunken hat!

Dann fing es an zu regnen und zwar richtig, so wie das hier eben alle ca 6 Stunden der Fall ist, und alle tanzten im Regen. Dann schien wieder die Sonne, es war brutal heiss und alle schliefen ein....

...das war so gegen drei Uhr mittags und der Zeitpunkt, wo ich mich aus dem Staub gemacht hab und zu Tobi und Martin gewandelt bin.
T.&M. sind die anderen beiden Nuernberger hier, die wohnen in nem edlen Hochhaus mit Aussicht. Auch nicht schlecht, aber sie haben keine Yolita, die jeden Tag ein Drei-Gaenge-Menue auffaehrt ;-)

Nachdem ausruhen dort, war am Abend wieder Fiesta angesagt, in TTecos einer Kneipe in der man sich tatsaeclich wie in einer der Silberminen von Potosi fuehlen kann: eng, heiss, staubig und sitzen darf man auf dem Boden.

Sonntag ging es dann ruhiger zur Sache.
Wir wollten auf den Markt in El Alto. El Alto ist der Stadtteil von LaPaz, der auf dem Altiplano liegt, mit 600.000 Einwohnern ist es die groesste Indigena-Siedlung die es gibt, gleichzeitig ist es einer der am schnellsten wachsenden Orte in Lateinamerika.

Man steigt aus dem Minibus, spuert die Luft die auf 4000m noch duenner ist als unten in der Stadt und kann beliebig lange geradeaus laufen, ohne jemals das Ende des Marktes zu erreichen. Kaufen kann man alles was billig ist, vom Radiergummi bis zum Lastwagenreifen, vom Sack Quinua (feines "Getreide" das aber wie ne Koenigskerze aussieht) bis zur Lama-Herde.

Nachdem wir weder ausgeraubt worden waren, noch ein Lungenoedem entwickelt hatten, ging es wieder abwaerts, den Rucksack voller Krempel von zweifelhafter Brauchbarkeit.

Den Rest des Tages hiess es lernen...
und lernen wird hier irgendwie nich besser! Soll ich irgendjemandem erklaeren, was Arajpacha, Akapacha und Manquepacha sind? Oder doch lieber die Funktion der Kallapayas im Reich der Inka??

Nur fuer die, die es interessiert:
Ersteres sind die drei Vorstellungswelten der Aymara: das Zukuenftige im Osten liegende (Sonne, Regen, Leben), Das Gegenwaertige in dem "Tinku" wichtig ist, der Einklang und die Harmonie mit allem was einen umgibt, und das Vergangene im Westen liegende (Atacama-Wueste und Pazifik), Tod und Dunkelheit.
Letzteres ist ein Volk von Medizinmaennern, sie durchwanderten ca im Mittelalter fast den ganzen Kontinent und verkauften ihre Fertigkeiten. Es gibt sie heute noch, sie besitzen eine Geheimsprache und erinnern ein bischen an Gandalf und Saruman, sie besitzen die groesste Kenntnis alter Inka-Highways. Zur Zeit der Inkas um ca 1400 waren sie hoch angesehen, da man ihre Kenntnisse benoetigte um das Reich der Aymara, Quechua, Urus, etc im Schnellverfahren zu erobern.

Also alles in allem schon interessant, und vllt bleib ich am Ende einfach hier und werd Fremdenfuehrer.

Kommentare:

Frieder hat gesagt…

Teeniefilme nachzuspielen ist immer noch besser als sie anzuschauen!! ;)

FHS hat gesagt…

HI Sohn, gut, daß Du Dich vor dem Trichterschlauch retten konntest. Vielleicht sind Deine Erfahrungen aus der Studenten-Verbindung in Erlangen doch ganz brauchbar, um Alkohol-Intoxikationen zu entkommen.
Ja-Ja, man lernt nix umsonst im Leben !
Übrigens haben wir letztes Jahr im Familienverband ein sehr interessantes Buch gelesen, daß über Ausgrabungen der Aymara-Kultur, A-Sprache, Legenden und den Verbleib eines Teils des Stammes ging.
Werde mal gucken, ab wir das nochmal herkriegen.
Sonst muß Du bei Deinen Spezialkenntnissen jetzt einfach daran denken, daß in den luftigen Höhen der echten Wissenschaft immer nur noch wenige Spezialisten über Spezialgebiete Bescheid wissen ( mmmpppfff, deshalb sind sie ja Spezialisten ) Du bist jetzt halt so ein Aymara-Spezi auf Zeit, HiHi!

Machs gut, laß Dich nicht stehlen
bzw auch Dir nichts, bewahre Deine Papiere nicht beim Geld auf!
Hasta luego

faramund hat gesagt…

jaja, als ob ich diesen querverweis auf mich nicht mitbekommen wuerde - naja, ist halt auch ein bisschen daemlich gewesen - aber man lernt ja (anscheinend) aus seinen fehlern :)