Montag, 26. Mai 2008

Sajama und Curahuara de Carangas

War noch voll toll, die reise gestern, kam mir vor wie ein Traum, was auch daran gelegen haben kann, dass ich durchgeschlafen hab und nur zum aussteigen aufgewacht bin!

War naemlich so,
Tobi und Martuens wollten ja nicht mit, weil sie ach so viel lernen wollten. Am samstag war dann ein Geburtstag - so richtig schlecht Oberschicht: mit Security, Barmann und Grillmann und besoffenen Kiddies, in einem riesenschoenen Haus mit lauter geklauter Kunst aus irgendwelchen Kirchen!! Na und das haelt man nur aus, wenn man ordentlich einen sitzen hat.
Wir sind dann trotzdem bald gegangen und in unser geliebtes Ttecos, wo man uns endlich kennt und nicht mehr staendig nach dem Ausweis fragt - da war allerdings noch ein anderer Geburtstag...
was bedeutete, dass es 4 war bis es endlich zu T/M nach Hause ging. Ich hatte zum Glueck meine Reisesachen schon dort gelassen, weil es von denen naeher zum Bus ist.
Was ich vielleicht nicht vergessen sollte zu erwahenen ist, dass wir noch 3 Leute dabeihatten was das Fest nicht verkuerzte. Irgendwann waren Tobi und Martin im Bett verschwunden, und ich - der einzige der wirklich was vorhatte am naechsten Morgen, durfte Alleinunterhalter spielen. Sie gingen dann aber zum Glueck so gegen 5 (hab wohl doch einiges an Gitarrespielen verlernt hier). Nicht jedoch, ohne dass der eine sich nicht noch Tobis Pulli ausgeliehen haette. Ich muss dem wohl auch zugestimmt haben, ohne mir wenigstens ne Handynummer geben zu lassen - und Ja, ich war schon lange wieder nuechtern!!!
Kaum waren die weg, stand Tobi auf der Matte, und nachdem wir schon gemuetlich am Tisch sassen, kam Martin auch wieder aus seinem Bett gekrabbelt. So machten wir es uns schliesslich vor dem Laptop bequem und schauten uns Bilder an, von unseren vergangenen Heldentaten. Wir kamen glaube ich zu dem Ergebnis, dass wir hier schon ganz klar Geschichte geschrieben haben....
War noch sehr nett, nur kalt weil es hier in LaPaz bekanntlich noch keine Heizungen gibt.
Um 6 ging es fuer mich dann auch schon los und vielleicht versteht ihr jetzt wieso mir die Reise wie ein Traum vorkam.

Im Sonnenaufgang ueber das Altiplano, an ein paar Chulpas (Grabtuermen) vorbei, dicke eingemummte Aymara in den Feldern und zwischendurch ein paar llamas. Schliesslich kam die weisse Eiskappe des Sajama-Vulkans (6542m, hoechster Berg Boliviens) in Sicht und bald spazierten wir durch den Nationalpark an seinem Fusse.
Hier gibt es Quenua, die Baeume die am weitesten oben auf der Welt wachsen, auf 4300m, ausserdem blaue Lagunen und Vicuñas, die schlanken Verwandten der Llamas. Vielleicht sollte ich noch erwaehnen, dass unser Parallelkurs die Reise perfekt organisiert hatte. Die machten das so als Pruefungsleistung, waehrend wir Touris spielen durften. Fuehrung und Essen waren jedenfalls perfekt - nur der Busfahrer meinte er muesse ne Abkurzung nehmen, und schon versank der Bus im Sand.
Beim Versuch in auszubuddeln schaendeten wir ein historisches Erbe in der Naehe, indem wir Steinplatten von einem Steinhaufen klauten (der sicher eine Bedeutung hatte) und sie unter die Reifen in den Sand steckten.
Beim Rueckweg, war ich sofort wieder eingeschlafen bis wir noch in Curahuara de Carangas anhielten. Dort wartete die schoenste Kirche auf mich, die ich bisher gesehen hab, und damit mein ich nicht nur Bolivien. Sie ist klein, geduckt, knubbelig und scheint in alle Richtungen auseinander zu fallen. Der Glockenturm steht daneben, weiss in der Abendsonne. Wenn du eintrittst, erhellt die sonne durch ein paar winzige Fensterchen noch die wunderbaren Bilder auf allen Waenden. Eigentlich aber hat man das gefuehl in einer Hoehle zu stehen, weil die Decke sich schon so bedrohlich neigt und die Waende innen genauso schief wie aussen sind.
Ein Bauer, der neben der Kirche wohnt erklaert uns was er uber die Kirche weiss, sie hat auch den Spitznamen "sixtinische Kapelle des Altiplano" und in einer kleine Sakristei lagern die alten Priestergewaender mit Gold- und Silber bestickt. Er ist der einzige, der auf den ganzen Schatz aufpasst - und dass seit 10 Jahren ohne Pause. Von der Bezirksverwaltung kommen nur alle paar jahre leute vorbei um ein paar Fotos fuer sich zu machen und ihm vorzujammern, wie schlecht es ihnen selber geht. Sie haben ihm verboten, Eintritte zu erheben, da dies ja zu voelliger Willkuer fuehren koennte - es gibt keine strengen Regeln und Verbote, man darf sich sogar die Gewaender vorhalten und den schweren Goldstoff mal in Wirklichkeit fuehlen.
Es ist ein Ort an dem noch nichts schlimmes passiert ist, der noch ganz original ist, ... vor allem original bolivianisch, keiner kuemmert sich um die Waende, die bald zur Seit wegkippen, oder das undichte Dach, oder vllt mal um einen kleinen Eintritt, mit dem man die Restauration finanzieren koennte. Doch wie lange wird es noch so sein? Allein schon um die unglaubliche Arbeit des einsamen Kuenstlers hier zu erhalten, muss sich etwas veraendern! Eine Veraenderung gibt es aber nicht ohne all die anderen.
So bin ich gluecklich, dass ich jetzt noch an diesem Ort war, in ein paar Jahren wird es nicht mehr so sein.

PS: ich muss unbedingt Sport machen, vom Versuch den Bus aus dem Sand zu heben hab ich doch tatsaechlich Muskelkater (agujetas) in den Oberschenkeln bekommen!

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