Samstag, 17. Mai 2008

TAKESI, oder: Mehr von den grossen Abenteuern des kleinen Simon...

Na da Caro also schon mal da war liess ich es nach drei Tagen Uni auch wieder gut sein und wir die Strasse glitt wieder unter uns fort und fort.

Diesmal aber hatten wir noch meinen Gastbruder Sergio und Martin im Schlepptau. Martin war bis um 5 auf irgendeiner Feier gewesen und als ich ihn um halb 7 wachklingelte, schwang er sich mit bewundernswerter Spontanheit aus den Federn und schaffte es immerhin noch Schlafsack von Tobi und Koka einzupacken - sollte ja eigentlich auch reichen.

Projekt: Takesi ist ein Inkatrail, 500 Jahre alt sofern ihn erst die Inkas gebaut ham, wahrscheinlich gabs ihn aber schon frueher, 40 km lang und nach einem kurzen Aufstieg auf 4700m gehts nur noch bergab.

Unser armer Taxifahrer (da wo wir hinwollten, bringen einen bloss lebensmuede Taxifahrer) war extra ne halbe Stunde frueher gekommen, damit wir rechtzeitig loskommen. Wir aber haben uns schon vorzueglich an die "Hora boliviana" gewoehnt, und ne Stunde spaeter waren endlich alle so wach, dass es losging. In Peru scheint es so was aehnliches wie "hora boliviana" zu geben, da Caro sicher nicht die erste war.

Kurz gesagt ging es hinter dem Haus ueber einen Huegel und schon waren wir draussen aus allem und genossen das Illimani-Panorama.
Unzahlige Kurven, Schlagloecher und Bachlaufe spaeter liessen wir uns dazu herab das Taxi zu verlassen, und Fahrer und Maschine verschwanden so schnell es ging wieder zurueck nach La Paz. Interessant war, dass wir auf einer gepflasterten 40km langen Strasse gefahren waren, und wenn man bedenkt, dass jeder Pflasterstein von Hand da hingeklopft wurde wo er jetzt lag, dann verblassen die Inkavorlaeufer dieser "modernen" Strasse und versinken in der Geschichte.

Hier oben wimmelte es nur so von Trogtaelern, alten Moraenen und Zungenbeckenseen, aber dies soll ja kein ausschliesslich geologischer Bericht werden... nur: auf den Fotos, die vllt irgendwann noch hochgeladen werden (so die Internetvbdg will) kann man soooo schoen den Uebergang von den runden Glazialformen der Hochregion zum steilen Kerbtal erkennen!! also wenn einem da nicht das Herze aufgehen und im Leibe hupfen tut, dann weiss ich auch nicht!

Neben den Veraenderungen des geomorphologischen Formenschatzes veraenderte sich waehrend des Abstiegs noch folgendes:
  • Die Vegetation begann langsam wieder, wir tauchten ein in einen Nebelwald.
  • Wir kamen durch ein kleines Dorf dessen Architektur mehr dem Auenland als La Paz aehnelte,
  • trafen ein Lama das seinem Leben ein Ende bereitet hatte,
  • Martin mit seiner Muetze gab in dieser Nebelwelt statt eines avantgardistischen Studenten den perfekten irischen Schafhirten ab.
  • Sergios Knie wurden von gut zu schlechter zu ganz ganz uebel
  • Und das gebratene Huhn dass er im Rucksack mitschleppte verschwand von dieser Welt.

Da Sergio sich den Rucksack nicht abnehmen lassen wollte mussten wir folgende List anwenden: Wir haengten ihn ab und teilten Martins Rucksaeckchen auf Caro und mich auf, dann ging Martin zurueck und erklaerte Sergio dass wir ein Lager gefunden haetten und dort auf ihn warteten (Martins Version), dann ging Martin zurueck, baute sich vor Sergio auf und verlangte seinen Rucksack (Martin ist 2 Kopf groesser als Sergio) den dieser ihm demuetig aushaendigte mit dem Gedanken *bittebittetumirnichtsgrosserDeutschermitdemunheimlichenBart* (Sergios Version).

Tatsache war, dass wir eine Stunde durch die Dunkelheit stolperten, bis wir einen Lagerplatz fanden und Sergio mir die ganze Zeit Schauergeschichten erzaehlte. "Diesem Vogelruf darfst du nicht antworten, sonst lockt er dich in die Waelder!" "Gut dass wir zu viert unterwegs sind, in den Yungas erzaehlt man sich, das von Gruppen mit ungerader Personenzahl nie alle morgens ankommen werden!"

Ausserdem hatten wir kein Wasser zum kochen, und die Idee das Spaghetti-Wasser als Sossenwasser zu verwenden stellte sich nur als Medium-gut heraus, wie schade, dass das Huhn schon verschwunden war!

Am naechsten Morgen ging es durch wunderschoenen Sonnenschein und Blumenbuesche den Berghang entlang. Nach einer Stunde allerdings brodelte die Wolkensuppe aus dem Amazonastiefland herauf und huellte alles bald wieder in eine mystische Inka-Stimmung. Caro und Martin liessen es sich nicht nehmen, einen 300 Jahre alten, gespenstischen Kirchturm zu besteigen - sie gaben aber zu sich gegruselt zu haben, und wenn nicht von der Atmosphaere an diesem Ort, so doch davor dass das Gemauer bedrohlich schwankte als sie sich einmal gleichzeitig zum Fenster hinauslehnten.

Schliesslich trafen wir den ersten Einheimischen, der ein kuehles Bier fuer uns im Keller hatte, tja man weiss eben nie, welch wundersame Ueberraschungen das Leben fuer einen bereit haelt. Am Ende des Weges kamen wir an einer Mine vorbei, die duester ueber uns auf einer Bergschulter klebte und ihr Quecksilber-verunreinigtes Wasser ueber die kahlen Steilhaenge hinunterlaufen liess. Im Bachbett waren weitere Huetten wo normalerweise das Dreckwasser nochmals durchgesiebt wurde, heute aber war Fiesta! Gut fuer die Mineros, schlecht fuer uns.

Erstens hatte uns Sergio auf dem letzten Stueck Fahrweg abgehaengt und zumindest ich kam mir sehr weiss und verraeterisch Gringo-maessig vor mit meinem Deuterrucksack, aber vor allem waren alle Minibusse ausgebucht und wurden von besoffenen Busfahrern durch die Engen Gassen gesteuert. Ein Pickup nahm uns mit nach Yanacachi, wo uns ein grinsender Sergio erwartete und nach laengerem Fussmarsch, einem weiteren Stop und einer Stunde warten geschah folgendes: durch die grauen Regenfaeden und Nebelschwaden rumpelte ein unfoermiges Etwas daher, dass sich gluecklicherweise nicht als der "Urwaldschreck von dem man sich in den Yungas erzaehlt" herausstellte, sondern als ein Bus, der bis unters ... oder besser bis weit UEBERS Dach mit Kokasaecken beladen war. Vom suessen Duft der Koka betaeubt schaukelten wir denn also gemuetlich nach La Paz zurueck.... wo uns eine wuetende Beatriz empfing, weil wir um einen halben Tag verspaetet waren, und es mal wieder nicht geschafft hatten anzurufen (von mir ist sie dass ja schon gewoehnt, aber dass ich jetzt auch noch ihren leiblichen Sohn dabei hatte, war ihr wohl doch etwas unrecht).

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