Donnerstag, 8. Mai 2008

Von 6000 Meter ueber dem Meer auf 200 MuNN

Letzten Donnerstag war es soweit, endlich die Gelegenheit die Uni mal hinter bzw. unter sich liegen zu lassen. Caro war auf ihrem Kontinent-trip hier angekommen und die lange gesuchte Ausrede um mal zu verschwinden vorhanden.
Um die Ehre des Deutschen Alpenvereins hochzuhalten, und damit unsere Gruppenleiter ein bischen stolz auf uns sein koennen, brachen wir auf um einen 6000er zu bezwingen. Um uns mal nicht zu uebernehmen - erst Hoehenkrankheitserfahrungen konnte ich ja schon vorweisen - waren wir gut ausgeruestet:
1. 6088m ist so ungefaehr am naechsten an 6000 dran und besser als die Nachbarberge mit 6400+
2. Allein trauten wir uns dann doch nicht so hoch hinauf, also wurde Mario angeheuert, ein 50-jaehriger Guide, der uns locker in die Tasche steckte!
3. Statt empfohlenen 3 Tagen trauten wir uns aber schon die "hit-and-run"-Version in 1,5 Tage zu.
Im Taxi ging es hinaus aus La Paz, ein letzter Blick von der Abbruchkante des Altiplanos hinunter und dann weiter zum Fuss des Huaina Potosi auf 4800m Hoehe. Die wunderschoene Gipfelpyramide ragte ueber uns in den dunkelblauen Himmel, es hatte sich doch gelohnt die "estacion fria" abzuwarten, wenn es kaum noch regnet. Ganz gemuetlich ging es heute nur 300Hoehenmeter hinauf, mit vielen Akklimatisationspausen, damit so Mario, "der Bauch die Luft austauschen kann". Auf einer Huette wurde dann mit 4 anderen Touris und fast doppelt sovielen Einheimischen biwakiert, literweise Kokatee hielt jeden Anflug von Kopfweh ab. Um 0.30Uhr weckte uns dann Mario, es ging los, Gipfelsturm um zum Sonnenaufgang oben zu sein.

Am Gletscher angekommen zogen wir uns die Steigeisen an, schnallten die Eispickel los, banden uns zu dritt an das Seil und los gings. Das man zu dritt an einem Seil haengt verleiht nur ein sehr vages Gefuehl von Sicherheit, vor allem in Caros Fall, da sie nur mit einem einfachen Schnapper-Karabiner eingebunden war :-) Ueber krabbelte schon eine Reihe Lichtkegel durch die Nacht, und noch weiter oben glitzernden ein gewaltiger Haufen Sterne.

Ab ca 5800m wurde die Hoehe zur echten Belastung, und beim Versuch aus dem zugefrorenen Camelback noch Wasser herauszubekommen, verschwand dieser letzte Rest auch noch im Schnee, was Caro ziemlich verzweifeln liess. Dennoch ueberholten wir mit Supermario vorneweg auf dem letzten Steilstueck fast alle Gruppen und kamen genau zu Sonnenaufgang oben an.


Tja was bleibt zum Abstieg zu sagen? Caro ging es besser mit jedem Schritt und mit schlechter! Als wir wieder auf der Huette waren, war ich schon fast tot und haette sofort unterschrieben, nie wieder auf n 6000er zu klettern! Nachdem wir aber wieder heile ganz unten angekommen waren, ging s halt schon wieder gut, und der Vorsatz war schon so gut wie vergessen - ist eigentlich ne lustige Krankheit, diese Sorrochi.


Abends bummelten wir schon wieder durch La Paz, allerdings ziemlich muede und nach ein paar wenigen Stunden Schlaf ging es am naechsten Morgen um 5 Uhr weiter. Diesmal lag unser Ziel weit weit unter uns, im Urwald.

* *** *

7 Stunden dauerte die abenteuerliche Fahrt. Es ging entlang eines gruenen Flusses auf einem schmalen Camino de Barro. Wir fuhren immer als Linksverkehr, weil der Fahrer so die Raeder am Abgrund direkt unter sich hat und ein bischen mehr Kontrolle hat. Cocafelder saumten die steilen Haenge und grosse blaue Schmetterlinge flatterten durch die Schlucht. In Caranavi funktionierte mein Handy das letzte mal und kurz darauf kamen wir an unserem Boot an.

hm die Beschreibung der folgenden zweieinhalb Tage findet ihr eigentlich auch bei Caro, nur hat sie den Pedro vergessen. Das war naemlich der einheimische Fuehrer, der unterwegs noch an Bord kam und der mit uns RICHTIG Wildschweinejagen gegangen ist. Einfach immer hinterher und mittenrein - und dabei sind diese Rotten von bis zu 200 Tieren ueberhaupt gar nicht ungefaehrlich! Was aber am bewundernswertesten war: er hat uns wieder genau an der Stelle zum Weg zurueckgebracht, von der wir losgestartet waren - ich haette nicht mal mehr grob die Richtung zu sagen gewusst!!!
Und ziemlich beeindruckend fand ich auch die "Timid Plant", die bei jeder beruehrung sofort ihre Blaetter haengen liess.... wer da noch behauptet Pflanzen haetten keine Gefuehle :-)
Die Story vom idyllischen Urwaldpool findet ihr auch bei Caro *g* dieses Erlebnis war der kroenende Abschluss einer Reise, von der ich gelernt habe, dass der Urwald saugefaehrlich sein kann. Alles hat Stacheln/Dornen/Zaehne/Krallen und wenn nicht dann ist zumindest der Saft toedlich giftig wie zum Beispiel beim Curare-Pfeilgiftbaum - meistens aber trifft einfach beides zu. Naja immerhin geht es uns jetzt allen wieder gut, die Fuesse sind wieder einigermassen verheilt.

PS: Jetzt wo meine Fotos auf allen anderen Posts gepostet werden, hab ich gar nichts mehr zu tun!!!!

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